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Die Olympiamedaille und ihre Kehrseite

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Die Olympia-Medaillengewinnerinnen und -gewinner sind zurück im Weltcup. Den einen verleiht das Edelmetall Auftrieb und beflügelt sie zu weiteren Top-Resultaten. Die anderen sind nach so einem Grossereignis mit den vielen Eindrücken, Emotionen und langen Reisen einfach nur müde.

Von den 15 Schweizer Olympia-Medaillen gehen 13 auf das Konto von Swiss-Ski Athletinnen und Athleten. Mehrheitlich haben diejenigen Trümpfe gestochen, die bereits im Vorfeld gute Ergebnisse erzielten. Diese Leistungen an einem Grossanlass bestätigen zu können, ist stark und keinesfalls eine Selbstverständlichkeit. Jedoch ist es auch umgekehrt kein leichtes Unterfangen, als Olympia-Medaillengewinner zurück im Weltcup den hohen Erwartungen gerecht zu werden. Den einen verleiht das Edelmetall Auftrieb und beflügelt sie zu weiteren Top-Resultaten. So zum Beispiel Skicrosserin Fanny Smith. In PyeongChang hat die 25-Jährige Bronze geholt und nun im russischen Sunny Valley nachgedoppelt: Smith feiert am Samstag ihren zweiten Weltcup-Saisonsieg und wird im Rennen vom Sonntag Dritte. Für die Waadtländerin geht es also auch nach Olympia mit Podestplätzen weiter.

 Ich habe es geschafft, nach den Olympischen Spielen meine ganze Energie zu bündeln.

Fanny Smith

Es sei nicht einfach gewesen kaum aus Südkorea zurück in der Schweiz, nach nur einer Nacht zu Hause, gleich zur nächsten Reise aufzubrechen. Der Jetlag ging nicht spurlos an ihr vorüber, Müdigkeit war sicher da. «Ich habe es aber geschafft, nach den Olympischen Spielen meine ganze Energie zu bündeln. Ich bin in Form», freut sich eine zufriedene Fanny Smith.

Ich surfe momentan auf einer Welle, die hoffentlich noch lange anhält.

Ramon Zenhäusern

Ebenfalls weiter auf der Erfolgsspur befindet sich Ramon Zenhäusern. Er besteigt nach der Olympia-Silbermedaille im Slalom in Kranjska Gora erstmals im Weltcup ein Podium in dieser Disziplin. «Ich surfe momentan auf einer Welle, die hoffentlich noch lange anhält», so der Zwei-Meter-Mann. Auch Michelle Gisin ist nicht zu bremsen: Beim Heimweltcup in Crans-Montana fährt sie in der Kombination auf Platz 2. Ihre Teamkollegin Wendy Holdener belegte – nach dem dritten Platz im Super-G vom Vortag – zwar nur den vierten Rang, erreichte aber ihr primäres Ziel und sicherte sich – wie schon im letzten Winter – die kleine Kristallkugel für den Gewinn des Disziplinen-Weltcups in der Kombination. Wie hat sie es geschafft den Schwung zu bewahren? «Ich konnte die Energie mitnehmen und habe zusätzlich in der kurzen Zeit zu Hause neue getankt.»

Ich konnte die Energie mitnehmen und habe zusätzlich in der kurzen Zeit zu Hause neue getankt.    

Wendy Holdener                                                                                          

«Die Leere füllt sich mit Emotionen»

Da gibt es aber auch die anderen: Sie sind nach so einem Grossereignis mit den vielen Eindrücken, Emotionen und langen Reisen einfach nur müde. Verständlich. Einer von ihnen ist Alpin Snowboarder Nevin Galmarini. «Ich bin sowohl körperlich als auch mental extrem müde. Vergangenes Wochenende am Weltcup in der Türkei fühlte ich mich überhaupt nicht parat – ich sagte am Vorabend noch zu meinem Coach: 'Hej ich fühle mich echt nicht ready, um morgen wieder on fire zu sein.'» Das Resultat widerspiegelte sein Fühlen: Der Olympiasieger scheiterte in der Qualifikation.

Ich bin sowohl körperlich als auch mental extrem müde.

Nevin Galmarini

Nach dem Erreichen eines so grossen Ziels wie Olympia folgt oftmals eine Leere. Bei Nevin Galmarini kam sie direkt nach dem Siegesrun: «Als ich wusste, ich bin Olympiasieger.» Die Tage zuvor und während dem Wettkampf sei er im Robotermodus gewesen, er habe einfach versucht seine Aufgaben zu erfüllen und den Fokus auf das Rennen zu richten. Mit dem Sieg fiel der Druck von ihm ab und eine Leere machte sich breit. «Nun füllt sich diese Leere mit Emotionen. Langsam wird mir bewusst, was ich erreicht habe. Ich sehe mein Umfeld, wie stolz sie auf mich sind.»

Als Olympiasieger steht er nun im Weltcup noch mehr im Fokus. Den hohen Erwartungen standzuhalten ist eine grosse Herausforderung. Wie geht er damit um? «Das alles ist ein riesiger Lernprozess. Ich konnte diese Saison erstmals erleben, wie es ist, als Leader an einen Weltcup zu reisen, an die Olympischen Spiele.» Der Alpin-Snowboarder sieht das Ganze auch als grosses Geschenk und als eine Challenge. «Kann ich der Beste sein? Und dann sage ich mir selber wieder; was man hat, kann man mir nicht mehr nehmen!»

Ich liebe diesen Sport, ich liebe das Snowboardern. Genau deshalb kann ich mich immer wieder aufs Neue motivieren.

Nevin Galmarini

Im Hinblick auf den Heim-Weltcup vom Wochenende in Scuol hofft Nevin Galmarini, dass das gute Gefühl wieder zurückkommt. «Ich liebe diesen Sport, ich liebe das Snowboardern. Genau deshalb kann ich mich immer wieder aufs Neue motivieren und mich mit gesammelter Energie dem Druck und der Herausforderung stellen.»

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