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Südkoreaner sagen nie «Nein»

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Jean-Jacques Joss hat als Mitglied des erweiterten Führungsteams von Swiss Olympic an den Olympischen Winterspielen 2018 in PyeongChang die Schweizer Athletinnen und Athleten in Empfang genommen. Von 2007 bis 2012 war der Divisionär a.D. Chef der Schweizer Delegation in der unabhängigen Waffenstillstandkommission in Korea und kennt daher «Land und Leute».

Nach einem Vortrag für die Führungsverantwortlichen von Swiss Olympic und der Wintersportverbände wurde ich angefragt, auch die Athleten über kulturelle Unterschiede oder einfach ausgedrückt über «Land und Leute in Korea» zu informieren. Während meiner Zeit in Korea durfte ich mit Verantwortungsträger aus Politik, Diplomatie, Militär, Verwaltung und Sport zusammenarbeiten und die Stärken und die zum Teil unterschiedlichen Ansichten kennenlernen.

Aufgrund der westlichen Medienberichte über die politischen Spannungen auf der koreanischen Halbinsel haben im letzten Herbst verschiedene Nationen und namhafte Sportlerverbände sowie Grossgrössen die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in PyeongChang infrage gestellt. Die martialischen Aus- sagen und Bedrohungen des nördlichen Nachbarn sind für uns ungewohnt und deshalb beunruhigend. In Südkorea hat man sich schon beinahe an die Rhetorik des Nordens gewöhnt.

Die martialischen Aussagen und Bedrohungen des nördlichen Nachbarn sind für uns ungewohnt und deshalb beunruhigend.

Jean-Jacques Joss

Der Flughafen Incheon wurde in den letzten Jahren mehrmals für seine Serviceleistungen als weltbester Flughafen ausgezeichnet. Zudem hat man im Januar 2018, also unmittelbar vor Beginn der Olympischen Spiele, den neuen Hightech-Terminal 2 eröffnet. Die Passkontrollen (Immigration) sind professionell organi- siert und die Ausgaben der persönlichen wie auch der überdimensionierten Gepäckstücke sind sehr rasch. Die Grössenverhältnisse im neuen Terminal bieten eine ausgezeichnete Übersicht und grosszügige Platzverhältnisse.

Persönliches Empfangskomitee am Flughafen

Sämtliche Mitglieder der Schweizer Delegation wurden von Seil Yang, einem ehemaligen koreanischen General, und mir persönlich begrüsst und auf dem schnellsten Weg zum «Connection Office» geführt. Dort standen die reservierten Busse für die Fahrt zu den einzelnen Standorten bereit. Dadurch wurde die Wartezeit am Flughafen auf ein absolutes Minimum reduziert.

Die meisten Athletinnen und Athleten kannten mich entweder bereits persönlich oder vom Vortrag anlässlich des Informationstages von Swiss Olympic. Einige haben mir schon vor den Spielen gemailt und Fragen über die politische Lage, Sicherheit während den Spielen, Besuchen in Seoul und Verträglichkeit der koreanischen Küche gestellt. Bei der Ankunft konzentrierten sich die Bedürfnisse eher auf Tipps für Lokale, Auswirkungen des «Lunar New Year» (koreanischen Neujahrsfestes) oder ganz persönliche Angelegenheiten.

Überraschende Fragen wie «Warum haben Sie keine Kinder?»

Zwischen der Schweiz und Korea gibt es aber auch Parallelen: Wir haben eine ähnliche Topografie und ebenso vier Jahreszeiten, wenn auch die Sommer in Korea viel wärmer und schwüler und die Winter wegen des sibirischen Winds kälter und trockener sind. Ebenfalls die Mentalität ist ähnlich: Wir sind beide bekannt als fleissig, freundlich und hilfsbereit. Grosse Unterschiede gibt es bezüglich Umgangsformen; Koreaner sind meist offener, direkter und stellen Fragen, welche uns zu persönlich erscheinen. Fragen wie «Wieviel verdienen Sie?», «Warum haben Sie keine Kinder?», «Wie oft gehen Sie in die Kirche?» bereits bei einem ersten Kennenlernen überraschen. Wichtig zu wissen ist auch: Südkoreaner sagen nie «Nein». Dieses Wort existiert bei ihnen nicht. Und dieser Umstand macht es für uns manchmal nicht einfach, mit ihnen zusammenzuarbeiten.

Skirennen von Shorttrack unterbrochen

Ich hatte Gelegenheit, ein paar sportliche Höhepunkt persönlich mitzuerleben. Das erste Spiel unserer Eishockeydamen gegen das vereinigte Korea war einer der Höhepunkte und hat mich als «Heimweh-Koreaner» persönlich sehr angesprochen. Als ehemaliger Biathlet «musste» ich mir natürlich auch einen Wettkampf dieser Sportart ansehen und gewisse Rennen konnte ich zeitweilig im Terminal 2 auf Monitoren mitverfolgen. «Zeitweilig» deshalb, weil das koreanische Fernsehen sich eher auf die in Korea bekannten Eissportarten konzentrierte und sogar Liveübertragungen von Skirennen mit Wiederholungen von Shorttrack oder Eisschnelllauf unterbrach.

Als Co-Kommentator an Eröffnungsfeier eingesprungen

In Erinnerung bleiben wird mir auch mein spontanes Einspringen als Co-Kommentator für die Eröffnungsfeier, weil Pascal Nufer, SRF-Ostasien-Korrespondent, krankheitshalber ausgefallen war.

Nach genau einem Monat in Korea habe ich mich auf meine Familie gefreut und bin zusammen mit dem Gros der Athleten am 26. Februar in Zürich gelandet.