COVID-19
Live
Langlauf
8.50 h

«Ich will auch im Studium eine anständige Leistung zeigen»

Zurück
Profisportler, Vater von Zwillingen und Master-Student – im Leben des 33-jährigen Nevin Galmarini ist einiges los. «Alles unter einen Hut zu bringen, ist schwierig. Dann muss ich klare Prioritäten setzen.» | Foto: Keystone

Olympiasieger, Ehemann, Vater von Zwillingen, Student. Im Leben des rekonvaleszenten Snowboard-Profis Nevin Galmarini geht so einiges ab. Im 2-Minuten-Interview spricht der 33-jährige Alpin-Snowboarder über sein Leben zwischen Home-Training, Studium und Vater-Sein.

Die Saison 2018/19 musste der 33-jährige Engadiner vorzeitig abbrechen – starke Schmerzen an der Lendenwirbelsäule verunmöglichten Weltcupeinsätze. Der Körper des Olympiasiegers von 2018 brauchte eine Pause.

Nevin Galmarini kämpfte sich zurück – zurück ins Training, zurück auf den Schnee. Doch kurz vor dem Saisonstart 2019/20 folgte der Rückschlag. Während dem Trainingslager Mitte November in Schweden verschlechterte sich der Zustand des Rückens rasant. «Nachdem wir dachten, der Rücken sei soweit unter Kontrolle, ging es ziemlich schnell bergab. Ich verspürte starke Schmerzen und Kraftverlust in den Beinen», sagte Nevin Galmarini. Nach der MRI-Untersuchung rieten Ärzte Galmarini zu einer schnellstmöglichen Operation, um Spätfolgen und langfristige Probleme zu vermeiden. Der Entscheid, sich einer sofortigen Operation an der Universitätsklinik Balgrist unterziehen zu lassen, sei für Galmarini schnell klar gewesen. Fünf Monate sind seit dem Eingriff vergangen. Wie geht es Nevin Galmarini heute?

Nevin, fünf Monate ist es her, seit du operiert wurdest. Wie geht es dir und deinem Rücken heute?

Danke, es geht mir gut. Nach einem Jahr mit täglichen Rückenschmerzen ist jetzt der Alltag ohne Schmerzen um einiges angenehmer. Nach der Rückenoperation im November machte ich recht schnell gute Fortschritte in der Reha – zum Beispiel konnte ich bereits am vierten Tag nach der Operation auf die Schmerzmittel verzichten. Heute ist mein Rücken irgendwo bei 90%, das heisst im Alltag und im Konditionstraining spüre ich nichts. Bei hohen Belastungen bekomme ich ab und zu noch ein Signal.

Wie sah deine vergangene Saison aus – worauf hast du deinen Fokus gesetzt?

Ganz ehrlich: Mein Fokus lag Ende Saison noch bei einigen Weltcuprennen am Start zu stehen. Ich arbeitete jeden Tag intensiv für dieses ambitionierte Ziel. Leider konnte ich das nicht erreichen.

Erstens, weil mein Rücken wohl doch noch nicht bereit war und zweitens, weil wegen Corona sowieso der letzte Teil der Saison ins Wasser fiel. Trotzdem war es gut, dass ich dieses Ziel im Kopf hatte, denn so war ich in der Reha und im Aufbautraining jeden Tag mit vollem Einsatz dabei.

Vergangenen Herbst hast du den Bachelor in Wirtschaft abgeschlossen. Jetzt packst du weitere fünf Semester obendrauf und absolvierst das Masters-Studium. Zudem bist du Vater von bald zweijährigen Zwillingen – da ist einiges los. Wie kriegst du das alles unter einen Hut?

(lacht) Manchmal gar nicht! Dann muss ich klare Prioritäten setzen. Diese sind mit der Familie abgesprochen. Das Studium hat zum Beispiel eine tiefere Priorität als die Familie und die Snowboard-Karriere. Das heisst aber nicht, dass mir das Studium nicht wichtig ist, sondern einfach, dass ich nur jetzt die Möglichkeit habe, Snowboard-Profi zu sein oder meine Kids aufwachsen zu sehen. Semesterprüfungen gibt es hingegen jedes Jahr. Trotz allem ist es mir bisher gelungen, immer alle Semesterprüfungen zu absolvieren. Das braucht ab und zu schon etwas Organisation und in meinem Fall vor allem Ehrgeiz. Ich mag es auch im Studium eine anständige Leistung zu zeigen.

Wie sieht der Alltag eines Profisportlers, eines Vaters von Zwillingen und einem Master-Studenten aktuell aus?

Die Tage sind recht gut durchgeplant. Meine Frau und ich führen einen gemeinsamen Kalender, wo wir gegenseitig unsere Termine sehen – wir schicken uns sogar Terminanfragen. Das mag sich vielleicht schräg anhören, aber es hilft uns, damit wir alles unter einen Hut bringen. Von meinen Trainings über Termine für die Kids oder Freizeit für meine Frau, wo sie am liebsten auch Sport macht, steht da alles drin. Aktuell verbringe ich je einen Drittel der Zeit mit Training, mit meinen Kids und beim Lernen für das Studium. Dieses Verhältnis wird sich jetzt aber bald stark zugunsten des Trainings ändern, da das richtige Sommertraining anfängt. Das heisst, dass ich oftmals zwei Trainingseinheiten pro Tag absolviere.

Wie hältst du dich während der Corona-bedingten Home-Trainingsphase fit?

Ich verbringe viel Zeit auf dem Bike. Mountainbiken ist ein grosses Hobby – und da kam mir das perfekte Wetter in den vergangenen Wochen natürlich gerade recht. Zusätzlich habe ich auf meiner Terrasse ein gutes Setup aufgebaut, wo ich ziemlich vernünftig an meiner Kraft und Beweglichkeit arbeiten kann.

Wie gehst du mit der gegenwärtigen Situation um?

Ich habe das Gefühl, dass ich in einer sehr glücklichen Situation bin. Es gibt für mich nichts zu jammern, punkt. Natürlich bedauere ich, dass viele Menschen nicht nur in der Schweiz wegen den Folgen von Corona um ihre Existenz bangen müssen. Ich finde es richtig, dass man hilft. Auch wenn es nur ein paar positive Vibes sind, welche man über die sozialen Medien verschickt.

Zurück zum Snowboarden. Vergangene Saison musstest du ohne Wettkampfeinsätze auskommen. Welche Ziele schweben dir für die Saison 2020/21 in deinem Kopf?

Ich möchte gesund und schmerzfrei an den Start gehen können. Das ist die Voraussetzung, damit ich meine sportlichen Ziele anvisieren kann. Das wichtigste Ziel für nächste Saison ist die Snowboard WM in China. Der Weltmeister-Titel ist der einzige, welcher mir noch fehlt. Ich freue mich, in den nächsten Monaten weiterhin konsequent für dieses Ziel zu arbeiten.

Links

Folge dem Swiss Snowboard Alpine Team auf Social Media:

Facebook

Instagram