Swiss-Ski
Nordische Kombination

«Eine WM als Leuchtturm»

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Der Mann, der die nordischen Weltmeisterschaften in die Schweiz brachte, ist einer der erfolgreichsten Exponenten seines Sports: Hippolyt Kempf, Olympiasieger von 1988 in der Nordischen Kombination und heutiger Langlauf-Chef. Der Luzerner erklärt, wie gross der Stellenwert einer Junioren-Weltmeisterschaft ist.

Hippolyt Kempf, Ihre ersten internationalen Titelkämpfe waren die nordischen Junioren-Weltmeisterschaften 1985 in Täsch. Welche Erinnerungen verbinden Sie damit?

Ich muss eingestehen, dass ich damals nicht sonderlich brilliert habe. Koordination, Technik und Laufleistung stimmten nicht. Ich war sowohl auf der Schanze wie in der Loipe schwach. Wenn ich mich richtig erinnere, beendete ich den Wettkampf als 33. oder 34. Rückblickend war dies aber ein Schlüsselerlebnis für meine Karriere. Ich sah, was mir fehlte, um international kompetitiv zu sein. Diese Niederlagen setzten Kräfte frei. Ich wollte gleich gut werden wie die anderen. Für einen jungen Sportler ist es sehr wichtig, sich international messen zu können.

Wie haben sich die Junioren-Weltmeisterschaften der Nordischen seither verändert?

Das lässt sich kaum mehr vergleichen. Damals in Täsch war das ein überschaubarer Anlass mit ein paar Wettkämpfen, die nur den bis 21-jährigen Athleten offenstanden. Heute werden im gleichen Anlass auch die U23-Titelkämpfe durchgeführt – mit 14 Entscheidungen im Langlauf im Goms sowie acht im Skispringen und in der nordischen Kombination in Kandersteg. Rund 660 Athleten aus 40 Nationen gehen an den Start. Auf U23-Stufe werden wir Läuferinnen und Läufer erleben, die auch bei der Elite gewinnen können. Besonders glücklich bin ich, dass wir die Veranstalter und die FIS davon überzeugen konnten, erstmals einen Testwettbewerb für Frauen in der Nordischen Kombination durchzuführen. Das könnte ein wegweisender Anlass werden. Denn die Nordische Kombination ist bis heute die letzte Disziplin, die an Olympischen Spielen den Männern vorbehalten ist. 

Welche Strahlkraft versprechen Sie sich von den Junioren-Weltmeisterschaften?

Da muss man differenzieren. Sportlich ist der Stellenwert sehr gross – besonders auch für die starken Nationen aus dem Osten. Dort sind die Unterstützungsgelder der Sportförderung für die Athleten auf Juniorenstufe eng mit Titelgewinnen verbunden. Das gilt auch in der Schweiz. Wer auf Junioren- oder U23-Niveau stark ist, erhält durch Swiss Olympic eine bessere Einstufung – und damit die grössere Unterstützung. Grundsätzlich kann man sagen, dass die Junioren-WM für die Subventionsprogramme der internationalen Sportsysteme ein wichtiger Gradmesser ist. Das Interesse von Sponsoren und Vermarkter hält sich dagegen in Grenzen. Für sie ist eine Junioren-WM weder Fisch noch Vogel: ein internationaler Anlass zwar, aber nicht prominent genug, um damit zu werben. Die grossen Unternehmen engagieren sich entweder auf der nationalen Bühne – oder dann bei den Topevents der Elite. Eine Junioren-WM bietet ihnen medial nicht die gewünschte Plattform.

Die besten Junioren gehören in der Regel später auch bei der Elite zu den dominierenden Athleten.

Hippolyt Kempf, Langlauf-Chef

Wie gross ist der Schritt von der Junioren-Stufe zu den Aktiven?

Im Skispringen ist er nicht so gross – weil es sich um eine technische Sportart handelt und viele Athleten schon im Junioren-Alter auf Topniveau springen – beispielsweise zu Beginn der Saison 2016/2017 der damals 17-jährige Slowene Domen Prevc. Auch Simon Ammann flog schon im Juniorenalter in die Weltspitze. Im Langlauf ist der Schritt zweifellos grösser – weil die physische Komponente im Vordergrund steht. Die besten Junioren gehören aber in der Regel später auch bei der Elite zu den dominierenden Athleten. Dario Cologna und Petter Northug sind Beispiele.

Welche Bedeutung hat die Ausrichtung von Junioren-Weltmeisterschaften grundsätzlich für die Nachwuchsförderung von Swiss-Ski?

Das ist im Nordischen wie im Alpinen ähnlich: Junioren-Weltmeisterschaften sind sozusagen ein Leuchtturm, der den Scheinwerfer auf einen Bereich werfen, der sonst eher im medialen Schatten steht. Sie liefern den jungen Sportlern die Möglichkeit, sich vor dem Heimpublikum zu präsentieren. Wichtig sind die Anlässe aber auch für die Organisatoren und Funktionäre. Sie können sich Wissen und Erfahrungen erarbeiten, die für spätere Anlässe wichtig sind. Wir führten beispielsweise Kurse für die Schneepräparation durch – und bemerkten, dass diesbezüglich ein grosser Nachholbedarf besteht. In Zeiten des Klimawandels sind solche Themen von zentraler Bedeutung. Auch Wettkampfrichter werden an einem einwöchigen Anlass unter erhöhtem Druck gefordert. Nicht zuletzt können wir die Sportbegeisterung in der Öffentlichkeit neu entfachen. In Kandersteg und Goms spüren wir grosse Unterstützung. Beispielsweise dürfte es kein Problem sein, genügend Freiwillige zu finden – und da spreche ich immerhin von 180 Personen, die ihre Ferien und Freizeit für unseren Event opfern.

Was machen Sie, um die Wirkung des Anlasses in den Breiten- und Kindersport zu tragen?

Wir werden beispielsweise das Model des Cross-Country Cross Skills Park lancieren – eine Art «Vita Parcours» für Kinder, auf dem man auf spielerische Art mit dem Langlauf in Berührung kommt. Dies ist ein wichtiges Entwicklungs- und Schulung-Tool, um unserem Sport eine breitere Basis zu geben.

Lesen Sie das gesamte Interview im aktuellen Snowactive.