Odermatt und Hintermann in Bormio auf dem Podest

Zurück
Foto: Keystone-SDA

Einzig Dominik Paris verhinderte in der Weltcup-Abfahrt in Bormio, auf "seiner Strecke", den totalen Schweizer Triumph. Marco Odermatt und Niels Hintermann belegten hinter dem Südtiroler die Plätze 2 und 3.

Es war das kollektive grosse Staunen nach der Fahrt von Odermatt. Als er im Ziel abschwang, hatte der Nidwaldner den führenden Norweger Aleksander Kilde gleich um 88 Hundertstel hinter sich gelassen. Weltmeister Vincent Kriechmayr lag neun Zehntel zurück, dessen österreicherischer Landsmann, der in der Disziplinenwertung bisher führende Matthias Mayer, war 1,3 Sekunden langsamer. Odermatt konnte also vom ganz grossen Coup träumen - davon, dass der erste Podestplatz in einer Weltcup-Abfahrt auch gleich ein Sieg sein könnte.

Der kurze Traum vom Sieg

"Acht Zehntel Vorsprung, und viele der Guten waren schon im Ziel. Da dachte ich, dass es vielleicht schwierig werden könnte, mich zu schlagen", schoss es Odermatt durch den Kopf. Er habe dort riskiert, wo es die Strecke zugelassen habe, erzählte der Blondschopf weiter. Seine Leistung im zweiten Training habe ihm weiteres Vertrauen gegeben. "Ich wusste, dass noch ein paar weitere Prozente drinlagen."

Der Traum endete jäh, denn bereits der Nächststartende war Paris. Schon die Zwischenzeiten, die im Vergleich zu Odermatt um eine halbe Sekunde besser waren, liessen erahnen, dass der Italiener in seinem "Wohnzimmer" ein weiteres Mal nicht zu schlagen sein sollte. Am Ende betrug die Reserve von Paris auf den Innerschweizer 24 Hundertstel.

Dank den 80 Punkten thront Odermatt in der Weltcup-Gesamtwertung noch einsamer an der Spitze. 286 Punkte liegt er nun vor seinem ersten Verfolger Mayer. Der Franzose Alexis Pinturault, sein unter normalen Umständen grösster Rivale im Kampf um die grosse Kristallkugel, weist schon ein Manko von 399 Punkten aus.

Hintermanns beste Zeit

Hintermann erlebt seine bisher beste Zeit als Speed-Fahrer. Seine erste Klassierung unter den ersten drei in einer Weltcup-Abfahrt, der 3. Rang in Val Gardena, lag erst zehn Tage zurück. Dass ihm die "Stelvio" liegt, hat der Zürcher nicht erst mit seiner Bestzeit im Training tags zuvor angedeutet. Vor zwei Jahren hatte er auf dieser Piste mit dem 6. Platz seine bis dahin beste Klassierung in dieser Sparte erreicht.

Weniger gut sind Hintermanns Erinnerungen an seinen Auftritt vor zwölf Monaten in Bormio. Bei einem Sturz in der Abfahrt hatte er eine Knorpelverletzung im linken Knie erlitten und eine einmonatige Rennpause einlegen müssen. Das Malheur passte zu einer von Rückschlägen geprägten Saison, die auf einen Winter gefolgt war, in dem Hintermann den Anschluss an die Besten geschafft und eine von Schwierigkeiten geprägte Zeit beendet hatte.

Beat Feuz schied wie Urs Kryenbühl aus. Für Feuz, der im Mittelteil wegrutschte, endete die einmalige Serie von 36 Klassierungen unter den ersten zehn in Weltcup-Abfahrten.

Ein halbes Dutzend als Rekord

8. Platz in Lake Louise, 5. Rang in Beaver Creek, 4. Platz in Val Gardena - der resultatbezogene Countdown für die Rückkehr von Paris in sein Reich stimmte. Zahlen, die aufzeigten, dass die Basis gelegt war, um das nächste Kapitel dieser aussergewöhnlichen Geschichte zu schreiben. Zum sechsten Mal gewann Paris, der nun auch Führender in der Disziplinenwertung ist, die Abfahrt in Bormio, dazu kommt ein Sieg im Super-G.

Ein halbes Dutzend Siege auf einer Abfahrtsstrecke hatte vor Paris im Weltcup noch keiner geschafft. Die Bestmarke hatte sich der Italiener bisher mit Didier Cuche geteilt. Der Neuenburger hatte mit fünf Siegen auf der "Streif" in Kitzbühel Erstaunliches geleistet. Wie jetzt Paris. Und Odermatt.