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«Es ist nie zu spät mit Freeski anzufangen!» – Giulia Tanno über Frauen und Freeski

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Photo: Swiss Freeski Team / Elmar Bossard

Giulia Tanno verpasste verletzungsbedingt die Olympischen Spiele, an welchen die zwei weiteren Schweizerinnen Sarah Höfflin und Mathilde Gremaud einen Doppelsieg feierten. Im Interview erzählt sie, wie trotz der grossen Erfolge die Begeisterung für den Freeski-Sport bei den Frauen ausbleibt. Die 19-jährige Bündnerin hofft jedoch, dass sich dies bald ändert.

In einer Trilogie wird in diesen Wochen unter dem Motto "Freeskierinnen an die Front" das Thema "Frauen im Freeski" aufgegriffen. Hier geht's zum ersten Teil der Trilogie.

Giulia Tanno, mit dir, Mathilde Gremaud und Sarah Höfflin hat die Schweiz drei Top-Cracks im Freeski. Dies müsste eine richtige Begeisterung bei den Frauen auslösen. Doch das, was nach euch kommt, sieht momentan nicht sehr rosig aus. Wieso?
Das habe ich mir auch schon überlegt. Wir versuchen das Beste, den jungen Frauen und Mädchen Freeski schmackhaft zu machen. Doch ist es mega schade, dass bei der Swiss Freeski Tour beispielsweise nur ein Mädchen teilnimmt. Ich kann es mir eigentlich auch nicht erklären.

Wieso gibt es in der Schweiz generell so wenige Freeskierinnen? Auch in den Parks sind sie immer weniger zu sehen, sagt Nachwuchschef Alex Hüsler.
Das ist eine gute Frage … Wenn ich Frauen im Park sehe, sind sie meistens mit dem Snowboard unterwegs. Vielleicht liegt die mangelnde Begeisterung am Freeskiing genau daran, dass es so wenige Frauen gibt, die es praktizieren. Als ich klein war, bin ich auch immer mit Jungs unterwegs gewesen. Als einziges Mädchen war es dann manchmal schon etwas schwierig, die Motivation zu finden. Ein weiblicher Gradmesser fehlte. Gut möglich, dass dies für einige Grund genug ist, nicht mitzufahren.

Als ich klein war, bin ich auch immer mit Jungs im Snowpark unterwegs gewesen.

Giulia Tanno über die Gründe, wieso so wenig Frauen Freeski fahren.

Wieso sollten denn gerade Frauen Freeski fahren?
Im Freeskiing bist du an fast nichts gebunden. Wir können uns selbst ausdrücken und unseren eigenen Style hineinbringen. Es ist einfach mega cool! Und es wäre so schön, wenn wir etwas mehr weibliche Unterstützung erhalten würden.

Was macht das Freeskiing für dich so besonders?
Das Gesamtpaket stimmt einfach. Zum einen macht mir das Skifahren extrem viel Spass. Während den Contests kann ich diese Leidenschaft mit Gleichgesinnten teilen und mich mit ihnen messen. Und wenn kein Event auf dem Programm steht, ist man total frei. Wir können eigentlich das machen, worauf wir gerade Lust haben. An einem Tag verbringt man mehr Zeit auf den Rails, an anderen Tagen geht's auf die Kicker.

Zum anderen haben wir ein extrem cooles Team! Mit den Teamkolleginnnen und -kollegen unterwegs zu sein, macht einfach unglaublich Freude.

Für alle, die es sich nicht richtig vorstellen können: Was macht das Leben als Freeskierin aus?
Der Zusammenhalt unter den Freeskierinnen und Freeskiern ist unglaublich, wie eine zweite Familie. Gerade für uns Jungen wie Andri Ragettli, Luca Schuler, Mathilde Gremaud und mich ist dies extrem wichtig. Seit wir 15 sind, verbringen wir die ganzen Wintersaisons zusammen. Durch dieses Familiengefühl können wir diese Zeit richtig geniessen. Und auch mit den Frauen aus anderen Nationen verstehen wir uns grossartig, das macht das Ganze umso schöner.

Viele haben das Gefühl, wir chillen nur und blödeln herum.

Giulia Tanno über das Freeski-Image.

Andri Ragettli soll sich darüber ärgern, dass die Freestyle-Szene nicht so ernst genommen wird, obwohl er Tag für Tag so viel Arbeit in die Sache reinstecke. Ist der Freestyle-Sport wirklich leistungsorientierter geworden?
Ja, das ist definitiv so. Auch im Freestyle zählt immer mehr die Leistung. Und obwohl wir genauso hart trainieren wie Athletinnen und Athleten in anderen Sportarten, haben viele das Gefühl, wir chillen nur und blödeln herum. Doch hinter dieser Facette steckt eine Menge Arbeit. Klar, die alpinen Cracks verbringen sicher mehr Zeit im Kraftraum. Aber man vergisst gerne, wie anstrengend ein Trampolin-Training sein kann oder wie viel Kraft es mental kostet, sich zu überwinden, einen neuen Trick zu lernen.

Ist dieser Wandel zur Leistungsorientierung vielleicht mit ein Grund dafür, dass so wenig Frauen Freeski fahren wollen?
Eigentlich dürfte dies nicht der Fall sein. Man sieht ja trotzdem, wie viel Spass wir am Ganzen haben. Aber gerade bei den Jungs könnte es schon sein, dass die Jungen denken: "Wow, crazy was die machen, das könnte ich nie!" Doch bei uns Frauen ist die Entwicklung noch nicht ganz so weit vorangeschritten. Obwohl die Fortschritte Jahr für Jahr extrem sind, wird das Level in den nächsten Jahren noch extrem zunehmen. So ist der Gap, um vorne mitzufahren bei den Frauen nicht so gross wie bei den Männern. Sarah ist ein perfektes Beispiel dafür: Sie hat erst mit 24 Jahren richtig mit Freeski angefangen – und jetzt ist sie Olympiasiegerin im Slopestyle. Es ist also nie zu spät um anzufangen!

Wie ist es dazu gekommen, dass du Freeskierin bist?
Wir hatten in unserer Kindheit das Privileg, auf der Lenzerheide einen super Park vorzufinden. Ich war so oft ich konnte dort mit meinen Schulkollegen. Schlussendlich bereitete es mir so viel Freude, dass ich auf die Sportschule in Engelberg wechseln wollte. Meine Eltern waren zuerst nicht so begeistert von der Idee. Doch nach einigen Gesprächen mit Nachwuchschef Alex Hüsler gaben sie mir die Chance, mal für ein Jahr zu gehen – und sie bereuen es bis heute keine Sekunde.

Gerade hier in der Schweiz erhält man als Freeskierin früh die Chance, sich zu zeigen.

Giulia Tanno erklärt, warum Frauen mit Freeski beginnen sollten.

Wie sah dein Wandel zum Profi aus?
Nachdem ich mit 14 Jahren nach Engelberg ins Sportgymnasium wechselte, begann ich vorerst langsam, mich ans Leben als Freeskierin zu gewöhnen. Um erste Erfahrungen im Weltcup zu sammeln, verbrachte ich eine erste Auslandreise mit dem Team in Amerika. Nach einem Hüftbruch ging es dann mit 15/16 Jahren richtig los. Beim ersten Weltcup nach der Verletzungspause erreichte ich in Park City bereits völlig überraschend den Final und belegte dort den 5. Platz. Damit löste sich der Knopf und ich merkte, dass ich was erreichen kann. Es war der Startschuss meiner Profikarriere.

Wie viel braucht es, um auf höchster Ebene mitzufahren?
Das Wichtigste ist, die Basics richtig gut zu beherrschen. Danach liegt's an dir selbst, ob du es schaffst. Stimmen die Basics, kannst du bald einmal an einem Weltcup-Contest teilnehmen. Gerade hier in der Schweiz erhält man wegen der fehlenden Dichte an Freeskierinnen früh die Chance, sich zu zeigen. Wer also Lust hat und sich im Park sicherfühlt, sollte sich unbedingt mal für die Swiss Freeski Tour anmelden oder sich bei einer Freestyle-Academy melden. Je nach dem kann es sehr schnell gehen und du bist voll dabei.

Was denkst du, was bräuchte es, damit wieder mehr Ski-Frauen in den Park kommen?
Ich kann mir vorstellen, dass sich mehr Frauen in den Park wagen würden, wenn sich dort schon einige befinden würden. Um das zu erreichen, sind wir nun dran, im Rahmen der Schweizermeisterschaften auf dem Corvatsch ein Girlscamp auf die Beine zu stellen. Hoffen wir, das klappt!

Für alle kleineren Shredderinnen gibt es die Möglichkeit der Audi Shred Days, erste Park-Erfahrungen mit professioneller Betreuung zu sammeln. Auch hier gilt: Jede und jeder ist herzlich willkommen, egal ob auf Skiern oder auf dem Snowboard.

An der Swiss Freeski Tour können Freeskierinnen und Freeskier erste Wettkampfluft schnuppern.

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