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«Das Schönste ist, die Freude zu teilen»

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Sie war die Überraschung an den alpinen Skiweltmeisterschaften in Åre schlechthin: Corinne Suter holte nach Bronze im Super-G auch noch die Silbermedaille in der Abfahrt. Im Interview spricht die Schwyzerin über ihre Freude über die zwei Medaillen, ihr Idol Lindsey Vonn und über das Eringer Kalb, das sie als schönstes Präsent für ihre WM-Erfolge betrachtet.

Seit der WM ist einige Zeit vergangen. Hast du inzwischen realisiert, was du dort geleistet hast?
Corinne Suter: Es hat sich einiges geändert um mich herum. Ich werde angesprochen auf der Strasse, viele Leute möchten etwas von mir. Aber im Endeffekt bin ich die Gleiche geblieben. Ich hoffe es wenigstens. Zumindest habe ich noch von niemandem gehört, dass ich mich verändert hätte. Die Reaktion auf die beiden Medaillen ist ja etwas Schönes. Und das Schönste ist, die Freude mit jenen Leuten zu teilen, die mir geholfen haben. Ohne sie wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin.

Dann hast du die Festivitäten, Ehrungen und Verpflichtungen gut überstanden?
Zuweilen war es schon anstrengend. Es hat zwei Seiten. Man erlebt viel Schönes. Aber irgendwann kommt wieder der Alltag, man muss trainieren, das Leben, die Karriere geht weiter. Ich möchte ja weiterhin schnell Ski fahren.

Dann kam die Weltcup-Woche in Sotschi, wo aus Witterungsgründen alles ausfiel, gar nicht so ungelegen?
Einige haben sich etwas aufgeregt, aber ich war tatsächlich nicht unglücklich. Selbstverständlich wäre auch ich gerne gefahren. Aber als ich die Schneemengen sah, war für mich klar, dass faire Rennen kaum möglich sind. So habe ich mich frühzeitig darauf eingestellt, den Aufenthalt anders zu nutzen, mir etwas Erholung zu gönnen, Fan-Post zu erledigen und die Kondition wieder aufzubauen. Man kann aus jeder Situation das Positive herausholen.

War bei all den Ehrungen oder Geschenken, die du bekamst, etwas dabei, das dich besonders freute?
Das tollste Geschenk, das ich entgegennehmen durfte, war ein Eringer Kalb, das mir Kurt Summermatter, ein Züchter und Ski-Fan aus Saas-Fee, schenkte. Es ist deshalb speziell, weil es sich um ein «lebendes Geschenk» handelt und es mich immer an die WM-Rennen erinnern wird. Es ist auf den Namen «Åre» getauft. Ich habe allgemein Tiere sehr gern, habe zuhause vier Katzen, reite gern. Wenn ich mit Tieren zusammen bin, kann ich alles um mich herum vergessen.

2014 holtest du zweimal WM-Gold bei den Juniorinnen, 2019 zwei WM-Medaillen. Daniel Albrecht und Marc Berthod errangen auch fünf Jahre nach ihren Junioren-WM-Titeln WM-Medaillen bei den Grossen, ebenfalls in Åre. Braucht es einfach eine gewisse Lernzeit?
Das ist sehr unterschiedlich, jeder Athlet und jede Athletin ist anders. Ich habe immer Zeit gebraucht, um mich weiterzuentwickeln. Schon im C-Kader bei den FIS-Rennen dauerte es, bis ich ganz vorne war. Dasselbe im Europacup: Am Anfang war ich am Ende der Rangliste, am Schluss vorne (sieben Einzelsiege, Gewinn zweier Disziplinen-Wertungen 2014, die Red.). Und nun im Weltcup ebenso. Bei mir geht es immer etwas länger, bis ich mich in einem Team mit allen Betreuern wohlfühle, um meine Leistung zu 100% abrufen zu können.

Im Weltcup können alle Ski fahren. Die Spitze ist so eng. Es geht um Hundertstelsekunden. Ich bin mir ganz sicher: Auf diesem Niveau entscheidet nur noch der Kopf.

Corinne Suter

Im Rückblick: In welchem Bereich weist du die grössten Defizite aus?
Der Kopf war hauptsächlich das Problem. Die körperlichen Voraussetzungen stimmten bei mir immer, auch skitechnisch passte es gut. Aber ich stand mir selber lange im Weg. Im Weltcup können alle Ski fahren. Die Spitze ist so eng. Es geht um Hundertstelsekunden. Ich bin mir ganz sicher: Auf diesem Niveau entscheidet nur noch der Kopf. Deshalb begann ich vor den Olympischen Spielen in PyeongChang mit dem Mentaltrainer Martin Betschart zusammenzuarbeiten.

Vom Charakter her wärst du eigentlich eine ideale Mannschaftssportlerin: sich nicht in den Vordergrund drängen und eher für die andern da sein.
Diesen Eindruck muss ich korrigieren. Ich könnte nie einen Mannschaftssport ausüben, dafür wäre ich zu ehrgeizig. Ich bin gerne mit Menschen zusammen, in einem Team. Und manchmal achte ich zu stark darauf, wie sich die andern fühlen. Aber wenn es um Wettkämpfe und Resultate geht, da möchte ich allein sein (lacht schallend).

Schon als Jugendliche hast du dich nicht aufgedrängt. Du gingst nicht von selbst in einen Skiclub, sondern – andersrum – der Skiclub Schwyz wurde auf dich aufmerksam.
Ich fuhr Jugendrennen mit uraltem Material, da konnte man gar nicht schnell sein. Ein Trainer, dem das aufgefallen ist, hat mich dann eingeladen, in die Renngruppe zu kommen. Ich wollte nicht, auch wegen der Eltern, weil das doch einiges Geld kostete. Irgendwie haben wir doch einen Deal gefunden. Ich ging dann neue Ski kaufen. So hat alles angefangen...

Lindsey Vonn ist dein Idol. Sie sucht auch ausserhalb der Piste die Scheinwerfer der Öffentlichkeit – eigentlich das Kontrastprogramm zu dir.
Das stimmt, dafür bin ich nicht der Typ. Würde ich nicht Ski fahren, wäre ich auch nicht auf Social Media aktiv. Ich will schnell Ski fahren und nicht berühmt oder bekannt sein. Das ist nicht mein Ding. Ich mache das, woran ich Freude habe. Das Skifahren ist meine Leidenschaft.

Was fasziniert dich denn an Lindsey Vonn?
Persönlich kenne ich sie nicht so gut. Aber ich war beeindruckt, wie sie auf der Piste ihre Schwünge zog – und wie freundlich sie mit den Leuten umgeht. Sie redet wirklich mit allen. Als ich das erste Mal als kleiner «Pfüdi» dabei war und von nichts eine Ahnung hatte, kam sie auf mich zu. Das hat mir imponiert. Als wir zum ersten Mal gemeinsam trainierten, war ich so blockiert, ich konnte kaum mehr Ski fahren.

Aber Parallelen zwischen euch gibt es schon. Sie hat – auf einem Bauernhof in Kirchberg (AUT) – schon sechs Kühe und Kälber. Zwei davon bekam sie in Val d'Isère, wo sie zum Erstaunen der Organisatoren als Siegprämie die Kuh statt das Preisgeld wählte. Dann ...
(lacht schon, bevor die Frage gestellt ist) Es wäre sicher cool, wenn mein Kälbchen ein «Gspänli» bekäme. Ich werde alles probieren, um in Val d'Isère zu gewinnen.

Interview: Richard Hegglin