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Smith und Schmid

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Die sehr gut aufgestellte Schweizer Skicross-Equipe will das Debakel von Sotschi endgültig ad acta legen.

Der Mann, der im Skicross die bisher beste und zugleich einzige grosse Schweizer Olympia-Story geschrieben hat, gehört seit diesem Herbst zum Trainerstab: Mike Schmid, 33, zurück aus dem Schneesportruhestand. Er kam durch die Hintertür, von seinem Comeback bei Swiss Ski erfuhr die Öffentlichkeit über Umwege.

"Ich suche den Mittelpunkt nicht", begründete Schmid seinen leisen Einstieg. Dabei erhofft sich die Equipe viel vom früheren Champion. Der Strassenbauer ausser Dienst soll seinen Ex-Kollegen und insbesondere Fanny Smith den Weg zur Goldmedaille ebnen. Chefcoach Ralf Pfäffli machte sich stark für Schmid und verspricht sich von dessen Knowhow eine Menge: "Er weiss sehr viel, und er weiss vor allem, um was es in den entscheidenden Rennen geht. Mike hört im richtigen Moment zu und macht didaktisch täglich Fortschritte."

Der prominente Zuzug steht im Zusammenhang mit dem Transfer von Smith. Nach knapp neunjährigem Solo in einem Privat-Team gehört die anspruchsvolle Romande wieder vollumfänglich zur Nationalmannschaft. Dank der erstklassigen Perspektiven der Ex-Weltmeisterin und zweifachen Olympia-Halbfinalistin investierte der Verband zusätzliche Mittel in die Crosser, worauf Pfäffli personell aufstockte.

Schmid ist zwar nicht Smiths Personal-Coach, aber seine Präsenz soll hilfreich sein. Seine ruhige, aber bestimmte Art könnte in der Gesamtabrechnung ein entscheidender Pluspunkt sein. Ihm ist durchaus zuzutrauen, mit der energischen Persönlichkeit angemessen umzugehen. Er soll beim Integrationsprozess der Weltklasse-Athletin für die flankierenden Massnahmen sorgen.

Im zweiten Jahr nach einem komplizierten Schlüsselbeinbruch scheint Smith wieder bereit für die ganz schwierigen Herausforderungen: "Ich habe nach den Olympischen Spielen 2014 enorm viel gearbeitet. Die Fehler von damals sind verarbeitet, ich habe mein Programm im Kopf." Ein weiteres Diplom interessiert sie nicht - die zwölffache Weltcupsiegerin will mehr, sie will Grosses, sie will Gold.

In der Vergangenheit habe sie auf der grössten Skicross-Bühne der Welt "einige Dinge falsch gemacht", sagt sie zur Nachrichtenagentur sda. "In Vancouver war ich 17, die Enttäuschung war schnell verflogen. Das Out in Sotschi hingegen machte mir zu schaffen. Ich hätte gewinnen können, wenn ich mich an meinen Plan gehalten hätte."

Neben Smith kommen im Männer-Tableau weitere Fahrer für Top-Ergebnisse infrage. Pfäffli, Taktiker, Pistenbauer, Antreiber und Kommunikator in Personalunion, ist angesichts der Dichte auf hohem Niveau überzeugt davon, die an Grossevents seit bald acht Jahren mehrheitlich dürftige Bilanz markant aufbessern zu können: "Wir haben die mentalen Aspekte intern thematisiert und werden mit den Erwartungen zielgerichteter umgehen."

Einer deutete zuletzt mehrfach an, dass mit ihm in jeder Lage zu rechnen sein wird: Marc Bischofberger, seit seiner Erfolgs-Doublette in Innichen Weltcup-Tour-Leader. Der kräftige Ostschweizer hat im richtigen Moment das Material gewechselt und besitzt gemäss Pfäffli ein wesentliches Plus: "Er überholt an den unmöglichsten Orten." Er, Jonas Lenherr und Alex Fiva könnten allesamt olympische Key-Player sein.