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«Nicht nur ein realistisches, sondern auch ein emotionales Ziel»

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In wenigen Wochen wird die Schweizer Biathlon-Pionierin Selina Gasparin zum zweiten Mal Mutter. Bereits Ende Januar will die Engadinerin nach einem kurzen, intensiven Aufbau wieder ins Wettkampfgeschehen eingreifen. Im Vergleich zur ersten Schwangerschaft ist die Ausgangslage für sie betreffend Trainingsaufbau deshalb eine völlig andere.

Selina, in rund einem Monat wirst du zum zweiten Mal Mutter. Da liegt die erste Frage auf der Hand: Verläuft bislang alles wunschgemäss?

«Ja, bis jetzt lief alles super. Meine Saisonvorbereitung habe ich umgestellt, der Aufbau verlief genau umgekehrt im Vergleich zu den vorherigen Jahren. Ich habe nach der letzten Saison bewusst keine Pause eingelegt – im Wissen, dass ich im Spätsommer und Herbst weniger machen kann. Am Tag nach den Schweizer Meisterschaften bin ich für fast fünf Wochen in den Norden gereist und habe in Finnland und Island einen Trainingsblock auf Schnee absolviert. Ich bin wirklich sehr zufrieden, denn ich konnte trainingsmässig ziemlich lange ziemlich viel immer etwas ausgiebiger machen als ursprünglich gedacht. Sukzessive musste ich dann mit der Zeit natürlich die Trainingsumfänge in den einzelnen Bereichen herunterfahren. Jetzt, im letzten Schwangerschaftsmonat, ist es nicht mehr so toll, sich zu bewegen.»

Trainieren während einer Schwangerschaft ist für dich nichts Neues. Inwieweit konntest du dir die gemachten Erfahrungen bei der Schwangerschaft mit Tochter Leila zunutze machen?

«Jede Schwangerschaft ist anders, aber auch jeder Saisonaufbau ist anders. Man lebt unter anderen Umständen. Man muss so oder so flexibel bleiben, das Training gegebenenfalls anpassen. Es gibt kaum einen Athleten, der immer alles gleich macht und damit Erfolg hat. Dank der ersten Schwangerschaft wusste ich, was auf mich zukommt. Ich hoffe, dass mir diese Erfahrung insbesondere auch beim Aufbau nach der Geburt hilft, sodass ich zuversichtlich bleiben und Geduld bewahren kann.»

Nach der letzten Schwangerschaft hast du eine Saison komplett ausgelassen, im kommenden Weltcupwinter willst du noch einige Wettkämpfe bestreiten, unter anderen jene im März an den Weltmeisterschaften in Östersund. Wie schlägt sich das in der Trainingssteuerung nieder?

«Nach der Geburt lasse ich mir zunächst einen Monat Zeit für Erholung und Basisbewegungen. Danach habe ich bis Ende Januar drei Monate Zeit für einen kurzen, intensiven Aufbau auf die Wettkampfsaison hin. Wintersportler sind sich einen Aufbau von April bis November gewohnt, in anderen Sportarten gibt es aber nicht eine solch lange Phase. In der Leichtathletik beispielsweise sind drei Monate normal. Drei Monate machen für mich absolut Sinn – auch im Wissen, dass ich die Basis betreffend Ausdauer mitnehme. Ich muss nicht bei null beginnen. An der Ausdauer, sprich an dem, was viel Zeit benötigt, habe ich in den vergangenen Jahren gut gearbeitet. Im kurzen Aufbau nach der Schwangerschaft geht es darum, die Kraft und Schnelligkeit aufzubauen. Das ist etwas, was man schnell verliert, aber durch Training auch schnell zurückgewinnen kann. Durch mein Studium der Sport- und Bewegungswissenschaften in Norwegen verfüge ich über ein gutes Wissen, was die Trainingssteuerung anbelangt. Während der Schwangerschaft habe ich meine Trainingspläne selber geschrieben. Wenn man einen Plan selber schreibt, dann versteht man ihn auch.»

Wenige Wochen vor der Geburt des zweiten Kindes bist du nicht in deiner Heimat, in den Bündner Bergen, anzutreffen, sondern in Bern bei der Eidgenössischen Zollverwaltung EZV. Was ist der Grund hierfür?

«2007 habe ich die Ausbildung zur Grenzwächterin absolviert. Die EZV bietet die Möglichkeit, Spitzensport und Beruf optimal zu vereinbaren. Im Normalfall arbeite ich hauptsächlich im Frühling, nach der Saison, an der Grenze. Aufgrund der Schwangerschaft habe ich jedoch diesen Frühling sehr viel trainiert, und danach konnte ich nicht mehr auf der Strasse bewaffnet arbeiten. Stattdessen erledigte ich nun Bürotätigkeiten auf dem Kommando in Bern und kriege dabei neue, interessante Einblicke.»

Den Wettkampfeinstieg hast du, wie vorhin erläutert, für Ende Januar geplant. Dann stehen in der gleichen Woche der Weltcup in Antholz und der IBU Cup in Lenzerheide auf dem Programm.

«Ja, leider sind diese beiden Wettkämpfe gleichzeitig. Für mich ergibt sich dadurch jedoch nicht nur ein realistisches Ziel, sondern auch ein emotionales. Denn entweder kann ich daheim den IBU Cup bestreiten oder – wenn alles nach Wunsch läuft – direkt an meinem Lieblings-Weltcuport auf höchster Stufe einsteigen. Diese Aussichten motivieren mich zusätzlich.»

Wer so schnell wieder ins Wettkampfgeschehen eingreifen will, hat ein baldiges Karriereende nicht geplant.

«2020 findet die WM in Antholz statt. Wie vorhin erwähnt ist das mein Lieblingsort im Weltcup. Ich habe mich sehr gefreut, als die WM dorthin vergeben wurde. Das ist schon ein Ziel für mich, nachher ist alles offen. Die Biathlonszene in der Schweiz ist jung, das hält mich auch jung. Solange ich es gerne mache, mache ich es. Ich schätze es, nach wie vor als Biathletin aktiv sein zu dürfen, und habe das Gefühl, mich noch verbessern zu können. Über die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking hinaus werde ich meine Karriere aber nicht fortsetzen. Ursprünglich hatte ich mal gedacht, nach den Spielen in Sotschi aufzuhören. Aber in jener Saison kamen die ersten Podestplätze im Weltcup und die Olympia-Silbermedaille. Es war ein derart grosser Aufwand, um auf dieses Leistungsniveau zu kommen, dass ich nicht aufhören wollte. Wenn das Schweizer Frauenteam gut ohne mich zurecht kommt, stehe ich sicher nicht im Weg. Noch habe ich aber das Gefühl, helfen zu können.»

Als du mit Leila im fünften Monat Schwanger warst, hast du dir einen Kindheitstraum erfüllt und den mehr als 4000 m hohen Piz Bernina bestiegen. Kannst du von einem ähnlichen Erlebnis während der jetzigen Schwangerschaft berichten?

«Ich habe in Island mein erstes 50-km-Rennen im klassischen Stil im Worldloppet absolviert –  Ende des vierten Monats. Am Ende reichte es zu Platz 3. Als Sportler pusht man sich. Was möglich ist, macht man – natürlich ohne ein Risiko in Bezug auf die Schwangerschaft einzugehen.»

Du bist nicht die einzige Mutter, die im Biathlon-Weltcup unterwegs ist. Gibt es da einen regen Austausch unter den Mamis?

«Es kommt vor, dass die Kinder zusammen spielen. Man hat etwas, was einen verbindet. Ein gewisses Band ist da.»

Wie hat sich die Zahl der Athletinnen, die im Weltcup als Mütter unterwegs sind, in den letzten Jahren entwickelt?

«Es gab einen totalen Boom, mittlerweile sind es mehr als zehn. Es wurde registriert, dass es möglich ist, nach einer Schwangerschaft auf Topniveau zurückzukommen. Dies führte zu einem Mentalitätswandel. In anderen Berufen ist es schon länger so, dass Mütter nach der Schwangerschaft rasch wieder in die Arbeitswelt einsteigen. Im Sport hat es etwas länger gedauert.»

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