Und plötzlich zog er als erster Snowboarder überhaupt einen bisher noch nie gesehenen Switch Alley-Oop Double Rodeo 1080 Indy to Nose über die Halfpipe in Saas-Fee. Jan Scherrer setzt mit dieser Welt-Premiere zu Beginn der WM-Saison ein dickes Ausrufezeichen – und die Konkurrenz gewaltig unter Druck.
Medienmitteilung

Weltneuheit: Jan Scherrer rückt das Snowboard-Level in neue Dimensionen

Und plötzlich zog er als erster Snowboarder überhaupt einen bisher noch nie gesehenen Switch Alley-Oop Double Rodeo 1080 Indy to Nose über die Halfpipe in Saas-Fee. Jan Scherrer setzt mit dieser Welt-Premiere zu Beginn der WM-Saison ein dickes Ausrufezeichen – und die Konkurrenz gewaltig unter Druck.

Der Sprung ist tatsächlich so spektakulär, wie er klingt – und auch fast genauso schwer zu verstehen wie zu erklären. Selbst der Urheber zögert bei der genauen Definition: «Grundsätzlich ist es ein Switch Alley-Oop Double Rodeo 1080 Indy to Nose.» Aber eben doch nicht ganz, «weil ich unterschiedlich auslöse». Anders ausgedrückt: Bei diesem Trick steht Scherrer einen rückwärts angefahrenen Doppelsalto mit drei hangaufwärts gedrehten Drehungen um die eigene Achse. Ergänzt wird der Sprung mit einer Grab-Kombination, bei welcher der Athlet zuerst die hintere Hand in der Mitte seines Bretts zwischen die Füsse platziert, die vordere bleibt dabei an der Nase des Bretts.

Verwirklichungsphase

Dass genau dieser kollegiale, bescheidene und überlegte Jan Scherrer jener Snowboarder ist, der in diesem Jahr mit einer Welt-Premiere die Snowboard-Szene kurzerhand zum Staunen bringt, kommt nicht von ungefähr. Seit mehr als fünf Jahren schwirre ihm dieser Trick bereits im Kopf herum, gesteht er. «Ich wusste nicht, wie ich mich an diesen Sprung herantasten sollte. Ich hatte keinen Anhaltspunkt, keine Video-Aufnahmen, woran ich mich hätte festhalten können. Nichts. Eine Extremsituation für die Psyche. Schliesslicht schmeisst du deinen Körper in die Pipe und weisst nicht genau, wie es ausgeht.» Doch er fand einen Weg, in Crans-Montana. Im Frühling dieses Jahres trainierte das Snowboard Freestyle-Team zwei Wochen im Walliser Skiort, auf dem Landingbag hoch oben auf dem Gletscher Pleine Morte. «In Crans-Montana stimmte der mentale Zustand, die Kreativität im Kopf. Ich hatte die Freiheit, konnte das machen, was ich schon lange habe versuchen wollen.» Er tastete sich an den Trick ran, prüfte verschiedene Grab-Kombinationen, bis er eine Variante entdeckte, die eine interessante Drehung ergibt und auch in der Pipe funktionieren könnte.

Ein halbes Jahr und kein einziges Halfpipe-Training später folgte die Verwirklichung in Saas-Fee auf dem Schnee. Anfang Oktober steht Scherrer, 26-jährig, als erster Snowboarder weltweit einen Switch Alley-Oop Double Rodeo 1080 Indy to Nose. «Ein energiegeladener Moment», sagt Scherrer gewohnt bescheiden. «Ich hätte nie gedacht, dass ich diesen Trick direkt am zweiten Trainings-Tag nach so einer langen Schneepause machen werde.»

Jan Scherrer lässt diesen technisch höchst komplexen Trick einfach, ungefährlich, beinahe grazil und geschmeidig aussehen.

Ohne grosse Ambitionen startete der Ebnat-Kappeler in den Tag, wärmte sich auf, genoss einige Runs in der Pipe. Die Halfpipe zeigte sich in einem perfekten Shape, es herrschte kein Wind – da konnte er nicht widerstehen. «Ich sagte zu mir selbst: 'Wenn ich das jetzt nicht mache, muss ich es nie wieder tun.' Die Bedingungen waren einfach zu perfekt. Ich hatte keinen Grund, diesen Trick nicht zu versuchen.» Und es funktionierte. Für Scherrer, den sonst so selbstkritischen Typ, ein unvergesslicher Moment. «Ich war noch nie in einer solchen Situation, und es erfüllt mich mit Stolz, dass ich mich getraut und diesen Traum verwirklicht habe.» Zuletzt war es der vor zwei Monaten zurückgetretene Iouri Podladtchikov gewesen, der sich in gleicher Lage befand und einen Trick auf ähnlichem Niveau wie Scherrers Novum zeigte. Vor mehr als sieben Jahren kreierte Podladtchikov seinen Yolo-Flip und flog damit 2014 in Sotschi zu Olympia-Gold.

Bescheidenheit

Nun taucht mit Jan Scherrer ein weiterer Name aus dem Schweizer-Team in der Erfinderliste von Snowboard-Tricks auf. Grössenwahn sucht man aber bei Scherrer vergebens. Einen speziellen Namen hat er für seinen Trick nicht. Das ist nicht seine Art. «Es ist nicht mein Ziel, dass dieser Trick nach mir benannt wird, das finde ich doof. Viel wichtiger ist mir, dass die Menschen, welche sich für diese Szene interessieren, wissen, dass ich diesen Trick weltweit als Erster gemacht habe.»

Jan Scherrer ist bekannt für seinen ästhetischen Snowboard-Stil, verfügt über ein ausgefeiltes Grundrepertoire an technisch komplexen Tricks, die ihn regelmässig Top-Resultate erzielen lassen. Seit vergangener Saison ist Scherrer, der lange Zeit so manchen 4. Platz in Kauf nehmen musste, definitiv an der Weltspitze angekommen. An den prestigeträchtigen X Games belegte er den 3. Platz und bestätigte als Zweiter beim Burton US Open seine bestechende Form. Es erstaunt nicht, dass Scherrer ein wichtiger Garant für das Schweizer Snowboard-Team ist. Jetzt erst recht, obwohl Scherrer bei seinem neuen Trick anfänglich nicht an einen Contest-Sprung gedacht hatte. «Mir ging es primär nicht um einen neuen Contest-Trick. Ich wollte diesen Sprung, der mich schon seit so vielen Jahren begleitet, einfach stehen.» Aber da die Sache nun funktioniert habe, sehe die Situation deutlich anders aus, meint Scherrer. «Ich will den Sprung nun verfeinern, automatisieren und an einem Contest zeigen. Damit habe ich endlose Möglichkeiten, und ich sehe auch, dass ich es nun in den eigenen Händen habe, um an jedem Wettkampf vorne mitfahren zu können.» Eine Anspielung an die 2022 bevorstehenden Olympischen Spiele in China? «Ja, einen Run für Olympia habe ich auch schon im Kopf.» Klar ist: Dieser Trick wird von Jan Scherrer berühmt gemacht und öffnet dem Snowboarder ganz neue Dimensionen. Die bevorstehende Saison wird zeigen, welche es sein werden.

Swiss-Ski

Sabrina Aebischer
Kommunikationsverantwortliche Snowboard / Freestyle / Events & Projekte

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