"In Sotschi will ich ein Wörtchen mitreden!"

26. November 2013


Der Weg nach Sotschi: Interview mit Tim Hug, Nordische Kombination


Tim Hug, 26 Jahre alt, ist Teamleader im kleinen Team der Nordisch Kombinierer.

Tim Hug, 26 Jahre alt, ist Teamleader im kleinen Team der Nordisch Kombinierer.

Die ersten Weltcupwettkämpfe der neuen Saison stehen für Tim Hug ganz im Zeichen der Qualifikation für die Olympischen Winterspiele in Sotschi.

Die ersten Weltcupwettkämpfe der neuen Saison stehen für Tim Hug ganz im Zeichen der Qualifikation für die Olympischen Winterspiele in Sotschi.

Im deutschen Klingenthal erzielte der Gerlafinger im vergangenen Winter mit einem neunten Rang sein bis dato bestes Karriereergebnis im Weltcup.

Im deutschen Klingenthal erzielte der Gerlafinger im vergangenen Winter mit einem neunten Rang sein bis dato bestes Karriereergebnis im Weltcup.

Tim Hug, der Einzelkämpfer: "Da ich unbedingt an die Weltspitze will und dazu noch die Olympischen Spiele vor der Türe stehen, ist die Motivation genügend gross, um es auch alleine durchzuziehen."

Tim Hug, der Einzelkämpfer: "Da ich unbedingt an die Weltspitze will und dazu noch die Olympischen Spiele vor der Türe stehen, ist die Motivation genügend gross, um es auch alleine durchzuziehen."

Tim Hug ist ein Einzelkämpfer. Buchstäblich. Denn nach den Rücktritten von Seppi Hurschler (A-Kader) und Sven Fawer (C-Kader) ist das Team der Nordisch Kombinierer drastisch geschrumpft. Aktuell besteht das Schweizer Kombinierer Team aus den beiden C-Kader Athleten Jan Kirchhofer und Christian Erichsen sowie A-Kaderathlet Tim Hug. Der amtierende Schweizermeister – anfangs Oktober errang der Gerlafinger zum dritten Mal in Folge den Schweizermeistertitel in der Nordischen Kombination - erreichte Ende Januar mit dem neunten Rang in Klingenthal sein bis dato bestes Karriereergebnis. Das stimmt den 26jährigen Teamleader im Hinblick auf Sotschi zuversichtlich.

 

Tim, wie und wann bist du eigentlich zur Nordischen Kombination gekommen?
Im Solothurner Ferienpass wurde ein Schnuppertag in Kandersteg angeboten. Da wir bereits beim Skifahren jeden noch so kleinen Hügel als Schanze benutzt haben, wollte mein älterer Bruder Jan unbedingt an diesem Schnuppertag teilnehmen. Bereits nach wenigen Sprüngen über die Skisprungschanze hatte ihn das Virus gepackt. Ich, der kleine Bruder, wollte mich natürlich nicht lumpen lassen und meldete mich dann ein Jahr später ebenfalls für diesen Schnuppertag an. So machte ich meine ersten Flugversuche als Achtjähriger in Kandersteg und war, nachdem ich meine Angst überwunden hatte, auch nicht mehr zu bremsen.


Was bedeutet dir die Nordische Kombinationen?
Sie bedeutet mir extrem viel. Da es eine sehr zeitaufwändige Sportart ist, steht sie seit vielen Jahren im Mittelpunkt meines Lebens und hatte grossen Einfluss auf viele Entscheidungen.
Manchmal kann sie einen zwar fast zum Verzweifeln bringen, aber trotzdem liebe ich diesen Sport, denn speziell in schwierigen Lebenssituationen ist der Sport so etwas wie ein Rettungsanker und gibt mir extrem viel Kraft zurück.


Was fasziniert dich am meisten daran?
Mich fasziniert die Vielseitigkeit im Training und vor allem die Gegensätzlichkeit der Schnellkraftsportart Skispringen und der Ausdauersportart Langlaufen. Es ist jeden Tag eine Herausforderung die beiden Sportarten zu kombinieren und das richtige Verhältnis im Training zu finden.


Welches waren deine bisherigen persönlichen Highlights?
Die Olympischen Spiele in Vancouver waren auf jeden Fall ein riesen Highlight und ein super Erlebnis. Auch mein erster Top-Ten-Platz im Weltcup vom letzten Winter war ein emotionaler Höhepunkt. Aber auch beim ganzen Drumherum erlebt man immer wieder kleinere Highlights, welche das Sportlerleben so speziell und einmalig machen.


Die Konkurrenz im eigenen Land ist in der Nordischen Kombination extrem klein. Was ist dein Antrieb, um im Training dennoch das Beste zu geben, trotz fehlender Vergleichsmöglichkeiten?
In den letzten Jahren fehlte jeweils nur sehr wenig um mit der absoluten Weltspitze mithalten zu können. Ich bin überzeugt, dass ich das Zeug dazu habe, bin mir aber auch bewusst, dass ich dafür jeden Tag alles geben muss. Da ich unbedingt an die Weltspitze will und dazu noch die Olympischen Spiele vor der Türe stehen, ist die Motivation genügend gross um es auch alleine durchzuziehen.


Die Nordische Kombination fristet in der Schweiz ein Schattendasein. Die Anerkennung durch die Öffentlichkeit ist gering, ebenso die Unterstützung durch den Verband. Du musst auch finanzielle Entbehrungen auf dich nehmen. Was motiviert dich, dennoch unzählige Stunden in diesen Sport zu investieren?
Die Freude am Sport und all die kleinen und grossen Highlights. Aber natürlich auch mein Ehrgeiz und die Überzeugung, dass ich in dieser Sportart noch etwas erreichen kann.


Welche Ziele möchtest du im Leben noch erreichen – sowohl im Sport wie auch privat/beruflich?
Sportlich ist momentan alles auf Sotschi ausgerichtet. Bei den Olympischen Spielen war ich bereits einmal mit dabei, nun will ich aber auch mittendrin sein und ein Wörtchen mitreden.
Für meine Zukunft nach dem Sport kann ich mir im Moment noch verschiedene Szenarien vorstellen. Wahrscheinlich werde ich ein Studium beginnen, es kann aber auch sein, dass ich etwas völlig anderes machen werde.


Was ist dein Ausgleich zur Nordischen Kombinationen?
Bei mir dreht sich so ziemlich alles um Sport. Nach der Saison gehe ich gerne noch ein paar Tage Skifahren oder mache mal eine Skitour. Im Sommer spiele ich ab und zu Beachvolleyball oder auch Tennis.


Wer ist dein (sportliches) Vorbild und warum?
Ich habe nicht wirklich ein Vorbild, denn ich finde, jeder Mensch hat andere Stärken und Schwächen und muss deshalb seinen eigenen Weg finden.


Wenn du nicht Spitzensportler wärst, was wärst du heute und wieso?
Dann hätte ich wahrscheinlich vor kurzem ein Studium in irgendeiner technischen Richtung abgeschlossen. Denn als ich mich entschieden habe, nach Einsiedeln zu gehen und auf den Sport zu setzen, war ich bereits ein Jahr im Gymnasium, mit dem Ziel, ein Studium in Angriff zu nehmen.

 

Weitere Porträts im Rahmen der Serie "Der Weg nach Sotschi" sind erschienen mit:

Renato Ulrich, Aerials

Emilie Aubry, Snowboardcross

Armin Niederer, Skicrossurl

 


Autor: dfh

Fotos: Nordic Focus/Swiss-Ski